2026-10-06 Aktuelle Nachrichten, Wirtschaft und Politik aus Deutschland.
Die deutsche Flagge weht stolz vor dem Reichstagsgebäude in Berlin am Tag der Einheit.

Warum der 3. Oktober Deutschlands Nationalfeiertag ist

Von der Redaktion Bocian-Montagen.de · 5. Oktober 2026

Am vergangenen Wochenende wurde der Tag der Deutschen Einheit begangen. Der Nationalfeiertag erinnert an den 3. Oktober 1990: An diesem Tag wurde die staatliche Einheit Deutschlands vollzogen. Der Fall der Berliner Mauer lag damals bereits fast elf Monate zurück. Wer beide Ereignisse auseinanderhält, versteht auch, weshalb Deutschland im Oktober feiert und nicht am Jahrestag des Mauerfalls im November.

Der Mauerfall begann eine neue Phase – die Einheit kam später

Am 9. November 1989 öffneten sich die Grenzübergänge zwischen Ost- und Westberlin. Menschen konnten die Grenze passieren, die Berlin seit Jahrzehnten geteilt hatte. Die Bilder dieses Abends stehen bis heute für das Ende der deutschen Teilung. Eine staatliche Wiedervereinigung war der Mauerfall jedoch noch nicht.

Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) und die Bundesrepublik Deutschland bestanden zunächst als zwei Staaten weiter. Wie sie zusammenkommen sollten, musste politisch entschieden und rechtlich geregelt werden. Dabei ging es unter anderem um Wahlen, die gemeinsame Währung, Gesetze und die Zustimmung der vier Mächte, die nach dem Zweiten Weltkrieg besondere Rechte in Bezug auf Deutschland und Berlin hatten.

Der Unterschied lässt sich an den beiden Daten festmachen: Der 9. November 1989 bezeichnet den Mauerfall und die Öffnung der Grenze. Der 3. Oktober 1990 bezeichnet den Vollzug der staatlichen Einheit. Zwischen diesen Tagen lag ein Prozess, dessen Ausgang im November 1989 noch nicht allein durch die Grenzöffnung feststand.

Welche Schritte führten zum 3. Oktober 1990?

Nach dem Mauerfall veränderten sich die politischen Verhältnisse in der DDR rasch. Mehrere Entscheidungen bereiteten die Einheit vor:

  • 18. März 1990: In der DDR fand die erste freie Volkskammerwahl statt. Das gewählte Parlament erhielt damit ein Mandat, über den weiteren Weg des Landes zu entscheiden.
  • 1. Juli 1990: Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der DDR und der Bundesrepublik trat in Kraft. Die D-Mark wurde auch in der DDR Zahlungsmittel.
  • 23. August 1990: Die Volkskammer beschloss den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes mit Wirkung zum 3. Oktober.
  • 31. August 1990: Vertreter beider deutscher Staaten unterzeichneten den Einigungsvertrag. Er regelte zahlreiche Folgen des Zusammenschlusses.
  • 12. September 1990: Die beiden deutschen Staaten und die vier ehemaligen Besatzungsmächte unterzeichneten den Zwei-plus-Vier-Vertrag. Er schuf die außenpolitische Grundlage für die deutsche Einheit.

Diese Daten zeigen, warum zwischen Mauerfall und Wiedervereinigung beinahe ein Jahr lag. Die offene Grenze veränderte das Leben vieler Menschen unmittelbar. Für einen gemeinsamen Staat brauchte es darüber hinaus Entscheidungen der Parlamente, Vereinbarungen zwischen den Regierungen und eine Regelung der internationalen Fragen.

Warum der 3. Oktober Deutschlands Nationalfeiertag ist

Was geschah am 3. Oktober?

Mit Beginn des 3. Oktober 1990 trat die DDR der Bundesrepublik bei. Das Grundgesetz galt nun auch im Gebiet der bisherigen DDR. Die fünf ostdeutschen Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurden Länder der Bundesrepublik. Berlin war fortan nicht mehr in einen Ost- und einen Westteil als Teile verschiedener Staaten getrennt.

Damit endete die staatliche Teilung Deutschlands. Der Tag markiert einen klaren rechtlichen Einschnitt: Am 2. Oktober bestanden noch zwei deutsche Staaten, am 3. Oktober ein gemeinsamer Staat. Deshalb eignet sich dieses Datum als Jahrestag der Einheit, auch wenn sich die Veränderungen im Alltag nicht auf einen einzigen Tag reduzieren lassen.

Für viele Menschen bedeutete die Einheit neue Möglichkeiten, etwa bei Reisen, Arbeit und politischer Mitbestimmung. Zugleich mussten unterschiedliche Verwaltungen, Wirtschaftsstrukturen und Rechtssysteme zusammengeführt werden. Der 3. Oktober steht somit für eine abgeschlossene staatliche Entscheidung und für den Beginn weiterer Veränderungen, die über 1990 hinausreichten.

Warum ist der 3. Oktober der Nationalfeiertag?

Der Feiertag knüpft an den Tag an, an dem die Wiedervereinigung wirksam wurde. Der Mauerfall war eine entscheidende Voraussetzung dafür und bleibt ein eigener historischer Jahrestag. Er beantwortet aber eine andere Frage: Wann fiel die Grenze in Berlin? Der 3. Oktober beantwortet die Frage, wann aus DDR und Bundesrepublik wieder ein Staat wurde.

Die Feiern am vergangenen Wochenende erinnerten deshalb an den Abschluss eines politischen und rechtlichen Prozesses im Jahr 1990. Wer sich mit den Ereignissen näher beschäftigen möchte, findet bei der Bundeszentrale für politische Bildung Hintergrundmaterial zur deutschen Einheit. Für die zeitliche Orientierung reichen zunächst zwei Daten: Mauerfall am 9. November 1989, staatliche Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung

Kommentare

Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!

Weitere Geschichten